Beoplast produziert komplett emissionsfrei


Umsetzung der Pariser Klimaziele

Beoplast produziert komplett emissionsfrei

17.05.2016 – Langenfelder Kunststoffproduzent setzt seit 2014 als eines der ersten deutschen Industrie-Unternehmen auf CO2-Freiheit in der Herstellung
Langenfeld. Aus aller Welt sind Unterhändler seit gestern in Bonn zusammen gekommen, um über Umsetzung und Details der auf dem Pariser Klimagipfel beschlossenen und in New York unterzeichneten Ziele zu beraten. Anschauungsunterricht könnten sie im nur 50 Kilometer entfernten Städtchen Langenfeld nehmen. Hier zeigt der mittelständische Kunststoffproduzent Beoplast, wie diese Ziele bei industrieller Fertigung umgesetzt werden können. Als eines der ersten produzierenden Unternehmen in Deutschland darf der Autozulieferer schon seit 2014 das TÜV-zertifizierte Siegel “CO2-frei” tragen. Rund 1200 Tonnen CO2 wurden allein im vergangenen Jahr eingespart.

Für Firmenchef Theo Besgen stellt umweltorientiertes Management längst eine Verpflichtung dar: “Wir können nicht darauf hoffen und warten, dass andere uns Lösungen präsentieren. Zum Schutz der Umwelt muss jetzt und sofort gehandelt werden.” Deshalb hat der Unternehmer seinen kompletten Betrieb umstrukturiert und deshalb versucht er – nicht zuletzt als Mentor des Deutschen Nachhaltigkeitskodexes – auch andere von dieser Notwendigkeit zu überzeugen. Seine Botschaft: “Eigentlich ist es ganz einfach, die schlimmsten Umweltsünden zu vermeiden. Und auf Dauer zahlt sich jede Investition in Ökologie auch ökonomisch wieder aus.” Selbstverständlich ist Beoplast auch Mitglied im B.A.U.M. eV (Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management). 2014 erhielt Besgen für sein Engagement den Umweltpreis der Stadt Langenfeld.

Konkret nennt der Firmenchef (65 Mitarbeiter, rund 10 Mio Euro Jahresumsatz) die Umstellung von Grau- auf Grünstrom als ersten und wichtigsten Schritt. “Natürlich ist Grünstrom etwas teurer. Aber bei meinem Unternehmen machen die Mehrkosten von ca. 4000 Euro im Jahr bei einer Stromrechnung von rund 300.000 Euro etwas mehr als ein Prozent an Mehrkosten aus. Das sind doch Peanuts!” Dieses Geld, so stellt er auf Vorträgen klar, wie er sie vergangene Woche vor dem Forum Produktion Nordwest in Aurich oder beim Industrieverein Langenfeld hielt, könnten Unternehmenslenker schon durch Einsparungen bei der Sonderausstattung ihrer Dienstfahrzeuge leicht wieder hereinholen.

Wobei Auto ein weiteres Stichwort ist: die sechs Firmenfahrzeuge bei Beoplast sind alle elektrisch und werden mit Grünstrom betrieben. Vom Renault Zeo bis zum Tesla reicht die Flotte. Auch die Stapler wurden von Gas auf E-Betrieb umgestellt. Einen Teil dieses Stroms liefert die Photovoltaik-Anlage auf dem Firmendach. Drei kleine Windräder sind bereits projektiert und sollen in den kommenden Monaten die grüne Stromversorgung noch mehr aus eigenen Quellen sichern. Die restliche Energie liefert Grünstrom aus natürlicher Wasserkraft.

Neben CO2-Freiheit setzt Besgen aber auch auf Energieeffizienz. So ersetzt die bei der Produktion entstehende Abwärme die komplett abgeschaffte Heizung, kommunizieren seine mit Frauennamen benannten Maschinen im Sinne der Industrie 4.0 miteinander und steuern ihre Arbeitsabläufe so effizient, dass hier bis zu 30% der Energie eingespart werden kann.

Wo Beoplast Umweltsünden nicht vermeiden kann, werden Ausgleiche geschaffen. Das für Schweißprozesse verwendete Edelgas Argon sei nicht zu ersetzen. Besgen: “Wir haben uns das vom TÜV ausrechnen lassen und dafür sechs Apfelbäumchen gepflanzt.” Die durch Frei-Haus-Lieferungen und die Fahrten der Angestellten zum Betrieb entstehenden Emissionen gleicht Beoplast durch Investitionen in Umweltprojekte wieder aus. “Die so verursachten 200.000 kg CO2 haben wir über ein Wasserprojekt in Uganda kompensiert” so Besgen. Und auch die Pflege der Grünflächen auf dem Betriebsgelände erledigt sich seit kurzem auf natürliche Weise: Mister Musk und Herr von Carlowitz, zwei bretonische Zwergschafe, halten das Gras kurz. Benannt sind sie nach Tesla-Gründer Elon Musk und dem Begründer des Nachhaltigkeitsgedankens, Hans Carl von Carlowitz.

Auch beim erdölbasierten Produkt Kunststoff, das in Langenfeld verarbeitet wird, strebt Besgen nach Alternativen. “Wir bauen derzeit ein Kompetenzzentrum für biobasierte Kunststoffe auf.” Erstes Beispiel ist die “Faire Computermaus”. Für die stellt Beoplast das Kunststoffgehäuse her, basierend auf Rohrzucker. Ein in Funktionalität und Handhabbarkeit nicht von herkömmlichen Kunststoffen zu unterscheidender Werkstoff. Weitere solcher Produkte sind in Arbeit.

Quelle: Wirtschaftsforum – http://www.wirtschaftsforum.de/news/beoplast-produziert-komplett-emissionsfrei/