Flüchtlinge ernten Gemüse vom eigenen Beet


Flüchtlinge ernten Gemüse vom eigenen Beet

Im Frühjahr starteten die Firma Beoplast und die Stadt ein Gartenbauprojekt.

In Gieslenberg-Mehlbruch sind die Zucchini erntereif. Nebenan wachsen Tomaten, und auf einer anderen kleinen Parzelle, die den Namen des Langenfelder Ortsteils Reusrath trägt, gedeihen Kohlrabi. Oyun-Erdene Norov und seine Frau Ochirkhua Enkhtuya kommen aus der Mongolei und leben seit zehn Monaten in der städtischen Unterkunft für Flüchtlinge am Winkelsweg /Ecke Industriestraße. Das Ehepaar baut auf dem umzäunten Gelände Gemüse zum Kochen an. Die 56-Jährige liebt es, „etwas wachsen und gedeihen zu sehen“. „Grüne Bohnen“, so versichert sie, seien ihr „Lieblingsgemüse“.

Theo Besgen, Geschäftsführer der Firma Beoplast, und sein Sohn Johannes haben das in Langenfeld bisher einmalige Gartenbauprojekt für Flüchtlinge in Absprache mit der Stadtverwaltung im Frühjahr angestoßen. Es trägt den Namen „Neuland – Wurzeln schlagen in Langenfeld“. Auf 280 Quadratmetern entstanden zehn kleine Parzellen für einige der rund 260 Bewohner. Ein schmaler, gepflasterter Weg führt mitten durch die Minigärten. Außerdem gibt es für die Gartengeräte extra eine große Truhe. Harken, Schaufeln und Setzlinge hatte der Kleingartenverein Tannenbusch zum Auftakt beigesteuert. Auch Langenfelder Bürger stifteten Ableger und Pflänzchen. Weil die teilweise zu früh nach draußen gesetzt worden waren, ließen die kalten Temperaturen Anfang Mai einen Teil davon erfrieren. Besgen stockte das Kontingent mit einer Spende für neue Pflanzen deshalb zwischenzeitlich noch einmal auf.

Der Unternehmer ist kurz vor Ablauf der ersten Gartensaison zufrieden. Jede Familie, die hier mitmache, bekomme einen Schlüssel und unterschreibe eine Vereinbarung. Es gebe klare Regeln, was gepflanzt werden könne. Außerdem dürfe das Gelände nicht als Grillplatz zweckentfremdet werden oder mit Rasen und Unkraut zuwachsen. „Es gab bisher keinen Streit und keinerlei Vandalismus“, freut sich Besgen. Auch der städtische Sozialamtsleiter Gisbert Hammer und ein Hausmeister der Unterkunft unterstützen sein Projekt, schauen immer wieder nach dem Rechten. Und auch bei der Zuteilung eines Gartens gab es keine Probleme. „Wir haben einfach gefragt, wer mitmachen möchte“, sagt Hammer. „Zu Beginn waren alle Parzellen ganz schnell weg.“ Im Laufe der Monate verwilderten jedoch drei der zehn Gartenstücke, weil Bewohner nach der Anerkennung ihres Asylantrages aus Langenfeld weggezogen sind. „Wir werden sie im nächsten Frühjahr neu vergeben“, ist Besgen optimistisch.

Er wünscht sich, dass die Stadt auch an anderen Unterkünften wie beispielsweise an der Theodor-heuss-Straße ähnliche Gartenbauprojekte ins Leben ruft. Das Graben und Buddeln in der Erde könne den Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Georgien eine sinnvolle Beschäftigung ermöglichen. Denn solange ihre Asylverfahren nicht abgeschlossen sind, könnten sie keiner regulären Arbeit nachgehen.

Von Petra Czyperek

Quelle: RP-Online.de