„Ein nachhaltiges Projekt macht mich glücklich“


Beoplast-Chef Theo Besgen produziert in Langenfeld emissionsfrei Kunststoffteile für die Autoindustrie – Ein Gastartikel des Kölner Stadt-Anzeiger.

Langenfeld. Viele Menschen in Industrienationen leben ökologisch über ihre Verhältnisse. Auch Theo Besgen legte jahrelang die drei Kilometer von zu Hause zum Betrieb mehrmals am Tag mit seinem Sechszylinder-Diesel zurück, sagt er – bis sein Sohn ihn daran erinnerte, was das für die Umwelt bedeutet. Was er damals auslöste, hätte sich der Sohn des Chefs von Beoplast in Langenfeld wohl kaum vorstellen können: Denn Besgen ersetzte den großen Wagen damals nicht nur durch einen Elektro-Smart, er trimmte nach und nach das gesamte Familienunternehmen auf Nachhaltigkeit. Heute sei Beoplast das einzige zertifizierte produzierende Unternehmen der Branche, das ohne Zukauf von Emissionszertifikaten CO2-neutral ist, betont Besgen.

Der gebürtige Bonner, der heute in Langenfeld und Köln lebt, begann seine Karriere nach einem BWL-Studium zunächst bei Bayer, wollte aber auf eigenen Füßen stehen und machte sich vor 27 Jahren mit zunächst drei Spritzgussmaschinen aus einer Konkursversteigerung selbstständig. 95 Prozent des Umsatzes von zuletzt zehn Millionen Euro macht das profitable Unternehmen heute mit Kunststoffteilen für Autos: Rückwände von Autositzen, Mittelkonsolen, Griffe, Bauteile für Cabriodächer. Beoplast bezieht für die Produktion ausschließlich Grünstrom – „das kostet uns bei einer Jahresstromrechnung von 300 000 Euro nur 4000 Euro mehr im Jahr“, sagt Besgen. Das Unternehmen hat zudem eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Gasbetriebene Gabelstapler wurden durch Elektrovarianten ersetzt, alle sechs Firmenwagen durch Elektroautos. Geheizt wird mit der Abwärme der Kompressoren, die für den Betrieb Druckluft erzeugen. Das letzte Gefährt, bei dem noch ein Verbrennungsmotor zum Einsatz kam, flog jüngst raus: Der Rasenmäher wurde durch zwei bretonische Zwergschafe ersetzt.

Auch Besucher können ihr E-Auto an der firmeneigenen Solartankstelle auftanken. Für die CO2 -Emissionen durch Mitarbeiterfahrten sowie durch Lastwagen, mit denen Spediteure die Fracht zum Kunden bringen, zahlt die Firma eine Kompensation. Mit dem Geld werden soziale Projekte in Ländern unterstützt, die unter den Folgen des Klimawandels leiden. Besgen lebt seine Idee und ist stets auf der Suche nach neuen Projekten – auch dafür wurde das Unternehmen für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert. „Ein Prozentpunkt mehr Rendite macht mich nicht glücklicher“, sagt Besgen“. „Ein neues Nachhaltigkeitsprojekt schon.“ Der Manager würde gerne noch mehr „sinnvolle“ Produkte herstellen. Für Elektroautos etwa. Derzeit fertigt Besgen bereits für Samsung Elektroautobatterien Abdeckungen und für den Streetscooter der Post Teile der Türinnengriffe. Meist sind Kunststoffe erdölbasiert, Beoplast will aber mehr biobasierte Werkstoffe einsetzen und forscht auch dazu. Schon jetzt produziert die Firma etwa das Gehäuse für eine faire PC-Maus – basierend auf Rohrzucker.

Von Evelyn Binder
Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, 30. Oktober 2017