Flüchtlinge pflanzen Obst und Kräuter


In Langenfeld starten die Firma Beoplast, der Gartenbauverein Tannenbusch und die Stadt ein Gartenbauprojekt.

Khalid Al-Najjar beobachtet interessiert, wie die Arbeiter mit einem kleinen Bagger die Erde umwühlen und Randsteine für die Beete verlegen. Schon bald möchte der junge Iraker auf seiner eigenen, kleinen Parzelle vor der Flüchtlingsunterkunft an der Industriestraße Erdbeerpflanzen setzen. Die roten Früchte sind sein Lieblingsobst – und sie erinnern ihn an seine Heimat. „Dort wo ich herkomme, wachsen Erdbeeren sehr gut.“

Johannes Besgen ist in der Firma Beoplast für Marketing zuständig und hat das in Langenfeld bisher einmalige Gartenbauprojekt für Flüchtlinge in Absprache mit der Stadtverwaltung angestoßen. Auf 280 Quadratmetern entstehen zur Zeit zehn kleine Parzellen für einige der über 200 Bewohner. Gleich daneben gibt es eine Bank zum Ausruhen, und neben der großen Birke wird ein Komposthaufen angelegt. Außerdem gibt es für die Gartengeräte extra einen Schrank. Ein schmaler Weg führt mitten durch die Minigärten, damit sie sich von allen Seiten gut bearbeiten lassen.

Mit im Boot ist Ewa Birkner. Die Vorsitzende des Kleingartenvereins Tannenbusch lobt: „Das ist eine sehr gute Idee. Integration fängt vor der Haustüre an.“ Sie habe nicht lange gezögert und ihre Unterstützung sofort zugesagt. Und so wird der Verein einige Schaufeln, Harken und Setzlinge beisteuern. Welches Gemüse dann später auf den Beeten gedeiht, entscheiden die künftigen Hobbygärtner größtenteils selber. „Das können sowohl Kartoffeln, Kürbisse als auch Obststräucher oder Kräuter und Gewürze aus ihrer Heimat sein“, schlägt Beoplast-Firmenchef Theo Besgen vor. Auch der städtische Sozialamtsleiter Gisbert Hammer und ein Hausmeister der Unterkunft unterstützen Besgens Projekt. „Es wird aber schon klare Regeln geben, was gepflanzt werden kann.“ Außerdem dürfe das Gelände nicht als Grillplatz zweckentfremdet werden oder mit Rasen und Unkraut zuwachsen.

Ewa Birkner will in der Anfangszeit regelmäßig vorbeikommen, und beim Gärtnern helfen. Gerade für die vielen Familien mit Kindern sei das eine schöne und sinnstiftende Beschäftigung. Sie habe selber erlebt, mit wie viel Begeisterung ihre Enkel im Garten mithelfen.

Mit gutem Beispiel voran geht Thomas Luna Barraza. Der Beoplast-Mitarbeiter will eine Muster-Parzelle bewirtschaften und den Bewohnern der Unterkunft auf diese Weise zeigen, welche Vielfalt auf wenigen Quadratmetern wachsen kann.

Johannes Besgen, der sich selber als „sehr naturverbunden“ bezeichnet, hat in seiner Kindheit den großen Garten zu Hause geliebt. Und so werde das Graben und Buddeln in der Erde vielleicht dabei helfen, dass die Menschen aus Syrien, Afghanistan, Georgien oder Bangladesch bald in Langenfeld Wurzeln schlagen, wünscht er sich. Solange ihre Asylverfahren nicht abgeschlossen sind, könnten sie keiner regulären Arbeit nachgehen, seien quasi zum Nichtstun verdammt. „Viele von ihnen langweilen sich“, erlebt Besgen, der auf dem Weg zur Arbeit regelmäßig an der Unterkunft vorbeikommt. Das soll nun anders werden. Jede kleine Parzelle wird einem Langenfelder Stadtteil zugeordnet, und so heißen sie beispielsweise Gieslenberg-Mehlbruch, Berghausen oder Richrath.

Am 10. April um 14 Uhr wird das Gelände offiziell eingeweiht. Bis dahin sucht die Firma Beoplast, die das Projekt mit 15.000 Euro unterstützt, noch einen Namen dafür. Jeder kann Vorschläge einreichen an: info@beoplast.de, Stichwort Gartenprojekt Winkelsweg. „Wir freuen uns natürlich auch über Bürger, die den Flüchtlingen Saatgut, Ableger oder Pflänzchen spenden“, sagt Theo Besgen.

FOTO: Matzerath
Quelle: RP – http://www.rp-online.de/nrw/staedte/langenfeld/fluechtlinge-pflanzen-obst-und-kraeuter-aid-1.6727076